Trockeneis selber machen: Anleitung, Ausbeute und Kosten
Drei Wege führen zu eigenem Trockeneis – zwei davon liefern nur eine Handvoll Schnee.
Kurz beantwortet
Trockeneis selber machen gelingt nur mit flüssigem CO₂ aus einem Steigrohr-Feuerlöscher oder einer Gasflasche: Beim Entspannen auf Umgebungsdruck gefriert ein Teil des Gases zu CO₂-Schnee. Auffangen lassen sich 10 bis 15 Prozent der ausströmenden Menge, also rund 100 bis 150 Gramm je Stoß. Der lose Schnee hält Minuten, gekaufte Pellets 24 Stunden – bei 3 bis 15 Euro pro Kilogramm.
Ein Kilogramm Trockeneis für die Kühlbox, ein paar Nuggets für den Nebeleffekt oder Nachschub für das Strahlgerät: Der Gedanke, das feste Kohlendioxid einfach selbst herzustellen, liegt nahe. Technisch geht das – die Frage ist, mit welchem Aufwand und mit welchem Ergebnis.
Dieser Ratgeber zeigt die drei praktikablen Verfahren, nennt für jedes die tatsächliche Ausbeute und rechnet die Kosten je Kilogramm gegen den Marktpreis. Am Ende steht eine klare Empfehlung, wann sich der eigene Aufwand rechnet und wann nicht.
Warum lässt sich Trockeneis nicht einfach einfrieren?
Kohlendioxid verhält sich anders als Wasser. Bei Umgebungsdruck existiert es nur gasförmig oder fest – eine flüssige Phase gibt es nicht. Der Übergang von fest zu gasförmig, die Sublimation, findet bei −78,5 Grad Celsius statt. Ein Haushaltsgefrierschrank erreicht rund −18 Grad Celsius und liegt damit 60 Grad daneben. Selbst eine Tiefkühltruhe mit −40 Grad Celsius kommt nicht in die Nähe.
Flüssig wird Kohlendioxid erst oberhalb von 5,185 bar. Genau das ist der Ansatzpunkt jeder Herstellung: In einer CO₂-Flasche steht das Gas bei Raumtemperatur unter rund 57 bar und liegt dort flüssig vor. Lässt man es schlagartig auf Umgebungsdruck ausströmen, entzieht die Entspannung dem Medium so viel Wärme, dass ein Teil davon direkt gefriert. Es entsteht CO₂-Schnee.
Phasendiagramm von Kohlendioxid (CO₂)
Sublimations-, Schmelz- und Siedelinie · Druckachse nicht maßstäblich
Zeichnung seitlich verschiebbar
- −78,5 °C bei 1,013 barUmgebungsdruck: Festes CO₂ sublimiert hier direkt zu Gas.
- −56,6 °C bei 5,185 barTripelpunkt: fest, flüssig und gasförmig zugleich. Erst oberhalb dieses Drucks schmilzt CO₂.
- +31,0 °C bei 73,8 barKritischer Punkt: Ende der Siedelinie – darüber lässt sich das Gas durch Druck nicht mehr verflüssigen.
Für die Herstellung heißt das: Ohne eine Druckquelle mit flüssigem CO₂ geht nichts. Alle Verfahren, die im Netz mit Haushaltsmitteln werben – Sprudelkartuschen ohne Steigrohr, Kältemischungen aus Salz und Eis oder Vakuumtricks –, erreichen die nötige Temperatur nicht.
Wie mache ich Trockeneis mit einem CO₂-Feuerlöscher?
Der klassische Versuch nutzt einen Kohlendioxid-Löscher, wie er in Serverräumen und Werkstätten hängt. Entscheidend ist, dass das Gerät ein Steigrohr besitzt: Nur dann saugt es die Flüssigkeit vom Flaschenboden an und gibt nicht bloß Gas ab. Erkennbar ist das an der Aufschrift oder daran, dass der Löscher aufrecht betrieben wird.
Als Auffangbehälter dient ein fester Stoffbeutel aus dicht gewebtem Baumwollstoff, der über die Löschpistole gespannt und festgehalten wird. Das Gas entweicht durch das Gewebe, der Schnee bleibt zurück. Ein Kissenbezug funktioniert, ein Plastikbeutel nicht – er würde durch den Druck platzen.
Trockeneis aus dem CO₂-Feuerlöscher
Vier Schritte im Freien · Schutzhandschuhe und Schutzbrille Pflicht
Steigrohr prüfen
Nur Löscher mit Steigrohr fördern flüssiges CO₂. Ohne Steigrohr strömt reines Gas aus und es entsteht kein Schnee.
Beutel spannen
Dicht gewebten Stoffbeutel über die Löschpistole ziehen und mit der behandschuhten Hand am Rohr festhalten.
Kurz auslösen
Zwei bis drei Sekunden auslösen. Das Gas entweicht durch das Gewebe, der CO₂-Schnee sammelt sich im Beutel.
Sofort verdichten
Den Schnee im Beutel zusammendrücken. Je dichter er wird, desto langsamer sublimiert er.
Welche Ausbeute ist realistisch?
Physikalisch geht beim Entspannen knapp die Hälfte der ausströmenden Masse in den festen Zustand über. Im Beutel ankommen tut deutlich weniger: Ein Teil verweht, ein Teil sublimiert sofort an der warmen Beutelwand. In der Praxis bleiben 10 bis 15 Prozent der abgegebenen CO₂-Menge übrig. Ein vollständig entleerter 5-Kilogramm-Löscher liefert damit rund 500 bis 750 Gramm Schnee.
Dieser Aufwand hat einen Preis, der nicht auf der Rechnung steht: Ein teilentleerter Löscher ist kein einsatzbereites Brandschutzmittel mehr. Er muss neu befüllt und geprüft werden, was je nach Größe 40 bis 70 Euro kostet. In gewerblich genutzten Gebäuden ist diese Prüfung vorgeschrieben.
Wie funktioniert die Herstellung mit einer Steigrohrflasche?
Wer öfter kleine Mengen braucht, arbeitet statt mit dem Löscher mit einer CO₂-Gasflasche mit Steigrohr, wie sie Gase-Fachhändler und Schweißfachbetriebe abgeben. Der Vorteil: Die Flasche ist als Vorratsbehälter gedacht, ihr Ventil lässt sich fein dosieren und die Füllung ist deutlich günstiger als eine Löscherprüfung.
Als Zubehör kommt ein sogenannter Trockeneisformer zum Einsatz – ein Aufsatz mit Formkammer, der auf das Flaschenventil geschraubt wird. Er hält den Schnee zurück, während das Gas durch seitliche Schlitze entweicht, und presst ihn zu einem Blöckchen. Diese Formen kosten je nach Ausführung 60 bis 250 Euro und lassen sich beliebig oft verwenden.
Wie viel Trockeneis liefert eine 10-Kilogramm-Flasche?
Bei sauberer Arbeit mit Formkammer steigt die Ausbeute gegenüber dem Beutel spürbar, weil weniger Schnee verweht. Realistisch sind 0,8 bis 1,2 Kilogramm gepresste Blöckchen aus einer 10-Kilogramm-Flasche. Die Füllung kostet je nach Anbieter 50 bis 90 Euro, hinzu kommt die Flaschenmiete. Der Selbstkostenpreis liegt damit bei 50 bis 90 Euro je Kilogramm.
Die gepressten Blöckchen halten sich mit ein bis drei Stunden deutlich länger als loser Schnee, erreichen aber bei Weitem nicht die Standzeit industriell gepresster Pellets.
Wie stellen Betriebe Trockeneis im Pelletizer her?
Alles jenseits weniger Kilogramm läuft über eine Trockeneismaschine, den Pelletizer. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Feuerlöscher, nur kontrolliert: Flüssiges CO₂ aus einem Lagertank entspannt in einer Kammer, der entstehende Schnee wird von einer Hydraulikpresse durch eine Matrize gedrückt und tritt als Pellet mit 3 oder 16 Millimeter Durchmesser aus.
Wie ein Pelletizer aus flüssigem CO₂ Trockeneis macht
Die vier Stufen der Trockeneisherstellung
Zeichnung seitlich verschiebbar
- LagertankTiefkalt verflüssigtes Kohlendioxid wird mit 13 bis 21 bar aus der Flüssigphase entnommen.
- EntspannungEin Teil verdampft schlagartig. Der Vorgang entzieht dem Rest so viel Wärme, dass er bei −78,5 °C zu CO₂-Schnee gefriert.
- PresseDer lockere Schnee wird verdichtet und durch eine Extruderplatte gedrückt – die Lochgröße bestimmt die Pelletstärke.
- VorratsbehälterDie fertigen Pellets fallen in einen isolierten Behälter, damit der Sublimationsverlust klein bleibt.
Auch hier geht ein großer Teil des Rohstoffs verloren: Üblich ist eine Verlustrate von 55 bis 60 Prozent, weil ein Teil des Kohlendioxids verdampfen muss, um den Rest überhaupt so weit abzukühlen. Ein Auffangsystem zur CO₂-Rückgewinnung führt das verdampfte Gas in den Lagertank zurück und senkt die Verbrauchskosten um bis zu 50 Prozent. Alle Details zu Bauarten, Leistungsklassen und der Entscheidung zwischen Kauf und Miete stehen im Beitrag zur Trockeneismaschine.
Welches Verfahren liefert wie viel Trockeneis?
Die drei Wege unterscheiden sich nicht nur in der Menge, sondern vor allem in der Form des Ergebnisses – und damit in der Haltbarkeit:
| Verfahren | Ausbeute | Form | Standzeit | Kosten | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|---|
| CO₂-Feuerlöscher mit Steigrohr | 100 bis 150 g je Stoß | Loser CO₂-Schnee | Wenige Minuten | 40 bis 70 € je Füllung | Einmaliger Versuch, Physikunterricht |
| CO₂-Steigrohrflasche mit Formbeutel | 0,8 bis 1,2 kg je 10-kg-Flasche | Gepresste Blöckchen | 1 bis 3 Stunden | 50 bis 90 € je Flaschenfüllung | Labor, Werkstatt, kleine Effekte |
| Pelletizer (Trockeneismaschine) | 30 bis 100 kg pro Stunde | Pellets, Scheiben, Blöcke | 24 Stunden und mehr | Investition plus CO₂-Bezug | Reinigungsbetriebe, Handel, Industrie |
Lohnt sich Trockeneis selber machen überhaupt?
Für den Versuch im Physikunterricht oder einen einzelnen Effekt auf einer Feier: ja. Für alles, was gekühlt, versendet oder gestrahlt werden soll: nein. Dafür sprechen drei Zahlen.
Die Dichte entscheidet über die Haltbarkeit
Gepresste Pellets erreichen rund 1,5 Kilogramm je Liter, loser CO₂-Schnee nur etwa ein Zehntel davon. Weil die Oberfläche im Verhältnis zur Masse dadurch um ein Vielfaches größer ist, nimmt der Schnee entsprechend schneller Wärme auf. Selbst gemachter Schnee ist nach Minuten verschwunden. Von 10 Kilogramm gekauften Pellets sind in der Styroporbox nach 24 Stunden noch etwa 7,3 Kilogramm vorhanden, nach 48 Stunden 4,5 Kilogramm – die vollständige Tabelle zu Haltbarkeit und Transport von Trockeneis zeigt alle Lieferformen im Vergleich.
Der Selbstkostenpreis liegt um ein Vielfaches höher
50 bis 90 Euro je Kilogramm aus der Gasflasche stehen 3 Euro pro Kilogramm für große Liefermengen gegenüber. Selbst Kleinstmengen von zwei Kilogramm kosten im Handel höchstens 15 Euro pro Kilogramm. Wirtschaftlich wird die Eigenherstellung erst mit einem Pelletizer – und der rechnet sich nur bei hohem, regelmäßigem Verbrauch.
Die Menge reicht für keine ernsthafte Anwendung
Um 20 Liter Getränke acht Stunden lang zu kühlen, sind rund 4 Kilogramm Trockeneis nötig. Diese Menge aus einem Feuerlöscher zu gewinnen, würde etwa 30 Kilogramm ausgeströmtes CO₂ verlangen – der Löscher müsste sechsmal neu befüllt werden.
Unser Fazit: Selber machen lohnt sich als Experiment, nicht als Beschaffungsweg. Wer Trockeneis kurzfristig und in nutzbarer Menge braucht, ist mit einer Verkaufsstelle in der Region schneller und günstiger unterwegs – oft noch am selben Tag zur Abholung.
Welche Sicherheitsregeln gelten bei der Herstellung?
Alle beschriebenen Verfahren arbeiten mit hohem Druck und mit −78 Grad Celsius kaltem Material. Fünf Regeln sind dabei nicht verhandelbar:
-
Nie in geschlossenen Räumen arbeiten
Ein Kilogramm CO₂ ergibt beim Sublimieren rund 0,5 Kubikmeter Gas. In einem kleinen, ungelüfteten Raum reicht das, um den Arbeitsplatzgrenzwert von 0,5 Volumenprozent deutlich zu überschreiten. Herstellungsversuche gehören ins Freie oder in gut durchlüftete Werkstätten.
-
Kälteschutzhandschuhe und Schutzbrille tragen
Der austretende CO₂-Schnee hat −78 °C. Schon kurzer Hautkontakt führt zu Kälteverbrennungen, aufgewirbelte Partikel können ins Auge gelangen. Dünne Stoffhandschuhe reichen dafür nicht aus.
-
Niemals in dichte Behälter füllen
Sublimierendes CO₂ baut in verschlossenen Flaschen, Dosen oder Schraubgläsern innerhalb von Minuten so viel Druck auf, dass sie bersten. Aufbewahrt wird ausschließlich in Behältern, die Gas entweichen lassen.
-
Feuerlöscher nach dem Versuch prüfen lassen
Ein teilentleerter Löscher ist kein einsatzbereites Brandschutzmittel mehr. Er muss neu befüllt und nach Betriebssicherheitsverordnung erneut geprüft werden – in gewerblich genutzten Gebäuden ist das Pflicht.
-
Steigrohr ist Voraussetzung
Nur Flaschen und Löscher mit Steigrohr fördern flüssiges CO₂. Aus einer Flasche ohne Steigrohr strömt lediglich Gas aus – es entsteht kein Schnee, wohl aber eine hohe CO₂-Konzentration im Raum.
FAQ: Häufige Fragen zur Trockeneisherstellung
Ja, aber nur mit einer Quelle für flüssiges Kohlendioxid unter Druck – also einem CO₂-Feuerlöscher oder einer Gasflasche mit Steigrohr. Aus Luft, Wasser oder einem gewöhnlichen Gefrierschrank lässt sich kein Trockeneis gewinnen: Ein Haushaltsgefrierschrank erreicht rund −18 °C, für festes CO₂ sind bei Umgebungsdruck −78 °C nötig.
Beim Entspannen auf Umgebungsdruck geht knapp die Hälfte der ausströmenden Masse in den festen Zustand über. Auffangen lässt sich davon nur ein Teil, weil der Schnee sofort verweht und sublimiert. In der Praxis bleiben 10 bis 15 Prozent der abgegebenen CO₂-Menge übrig – aus einem kräftigen Stoß also etwa 100 bis 150 Gramm.
Entscheidend ist die Dichte. Gepresste Pellets kommen auf rund 1,5 Kilogramm je Liter, loser CO₂-Schnee nur auf etwa ein Zehntel davon. Die viel größere Oberfläche nimmt entsprechend schneller Wärme auf: Schnee ist nach wenigen Minuten verschwunden, während von 10 Kilogramm Pellets in der Styroporbox nach 24 Stunden noch etwa 7,3 Kilogramm übrig sind.
Eine 10-Kilogramm-Flasche CO₂ kostet je nach Anbieter 50 bis 90 Euro Füllung zuzüglich Flaschenmiete und ergibt rund ein Kilogramm Trockeneis. Damit liegt der Selbstkostenpreis bei 50 bis 90 Euro je Kilogramm. Gekauftes Trockeneis kostet 3 Euro pro Kilogramm bei großen Mengen und bis zu 15 Euro pro Kilogramm bei Kleinstmengen.
Für den einmaligen Versuch mit einem eigenen Feuerlöscher nicht. Sobald Sie regelmäßig produzieren, gelten die Regeln für den Umgang mit Gasen: Gefährdungsbeurteilung, Unterweisung der Beschäftigten und je nach Menge eine CO₂-Warnanlage im Aufstellraum. Für gewerbliche Mengen ist ein Pelletizer der einzig praktikable Weg.
Sie lohnt sich ab einem hohen, regelmäßigen Verbrauch – etwa in Reinigungsbetrieben, die täglich strahlen. Im Pelletizer entweichen 55 bis 60 Prozent des eingesetzten Kohlendioxids ungenutzt; eine CO₂-Rückgewinnung senkt die Verbrauchskosten um bis zu 50 Prozent. Bei wechselndem Bedarf ist die Lieferung durch einen regionalen Anbieter günstiger.